Nächtliche Ruhestörungen, Streik und Wollbäume

Nichtmal 2 Wochen ist es her, dass ich das letzte Mal hab verlauten lassen, was so passiert ist - und schon wächst die Liste der Neuigkeiten ins Unermessliche - also hört ihr mal wieder von mir.

 Und die Woche fing gleich mit 3 Ausfällen an:

Gestern vor einer Woche gings los - mit Feueralarm. Morgens um 7.  Und das schöne - das Ding was dem Lärm macht, ist direkt vor meiner Zimmertür. Da ich die Tür mal kurz aufgemacht hatte, um zu gucken, ob wirklich was ist, oder nicht, beschloss ich eigentlich, mich wieder ins Bett zu legen und weiterzuschlafen - man hatte uns schon vorgewarnt, dass es öfter Probe- und Fehlalarm gibt. Nach 2 Minuten konnt ich den fiesen Lärm dann absolut nicht mehr ertragen und bin runter vor die Tür gewatschelt - wo noch 3 grandiose andere Menschen standen, inkl. der andern Lisa, die sich am Tag vorher den Knöchel verstaucht hatte und nur humpeln konnte. Die hat sich gefreut... Als das fiese Geräusch dann endlich vorbei war (selbst WENN es ein Probealarm war - weder Feuerwehr noch wer von der Loge/Rezeption war da, klasse, wenn das auch so ist, wenns wirklich mal brennt.. ) sind wir dann wieder ins Bett gefallen, nachdem uns n Franzose noch erklärte, dass manche Leute Spaß dran haben, die Leute so morgens am Wochenende ausm Bett zu schmeißen - herzlichsten Dank. Immerhin hat er uns danach noch ne gute Nacht gewünscht. 

Montag wollte ich dann Annes Geburtstagsgeschenk, das ich schon ne Woche vorher gekauft und in den tollen, für bis zu 500g zugelassenen großen Briefumschlag gepackt, der aus Hartpappe besteht, einfach nur am Wohnheim in den Briefkasten werfen. War wohl nix - der Schlitz war schmaler als der Umschlag, der nicht knickbar ist - also Dienstag ab in die Stadt, um den Brief dort in der Post abzugeben. Stellt sich die Frage, wer diese Umschläge designed - und ob er denjenigen kennt, der die Schlitzbreite für die Briefkästen festlegt. Man, man, man...

Dienstag sind dann 2 von 4 Veranstaltungen ausgefallen - Grund zur Freude, wir hätten mal stressfrei in die Mensa gehen können. Denkste. Streik. Also ab in die Küche und selbst was zu essen machen.. Wär ja auch komisch gewesen, wenn mal was geklappt hätte... Aber schön war Katha "wooooo hängt der Zettel???? Hängt der noch??? Ich will da n Foto von machen!!!! Mein erster Streik!!!" (Ja, ich hab auchn Foto gemacht mitm Handy.. Was muss, das muss )

 Im Laufe der Woche hab ich mich dann außerdem bei Facebook registriert (Anne, erklär Mama mal was das ist ) - und gleich 2 richtig große Entdeckungen gemacht - Jelena (Serbien) und Marisa (Südafrika). Jelena hab ich das letzte mal am Ende der 4. Klasse gesehen, Marisa 2 oder 3 Jahre später nochmal, als sie aus Südafrika nochmal zu nem Schüleraustausch in Köln war. mit beiden hatte sich der Kontakt wegen Problemen bei der zustellung von Briefen & Mails verloren, Marisa hat mir dann auch gleich ne richtig lange Nachricht geschrieben und erzählt, dass sie seit sie bei Facebook angemeldet war, in regelmäßigen Abständen versucht hat, mich dort zu finden - und sich riesig freut, mich nun wiedergefunden zu haben. Schon krass, was für Distanzen man durchs Internet nun so problemlos überbrücken kann.

 Einen kleinen Abschnitt möcht ich diesmal den Franzosen und ihren Sprach-Eigenheiten widmen. Herrlich gelacht haben wir am Donnerstag in Übersetzung (Französisch-Englisch). Anne-sSophie wollte mit ihrem Vokabelwissen (was wirklich unglaublich ist und Worte wie "Kaiserschnitt" beinhaltet) glänzen - nur leider hat sie die Wörter in ihrem Kopf verdreht. Marion fragte, was "Cotton" auf Deutsch heißt, und Anne-So verkündete strahlend "Wollbaum!!!". Die Sympathien der Deutschen waren ihr sicher - einfach nur zu süß.

Seit letzter Woche hab ich außerdem französisches Fernsehen dank TNT-USB-Stick (TNT ist hier nicht weiter explosiv, sondern einfach nur Télévision Numérique Terrestre ). Nachdem wir gestern aus Nantes zurückgekommen waren, hab ich nebenbei noch ein bisschen Fußball geguckt (Frankreich-Rumänien). Laut lachen musste ich dann während der Halbzeitpause, als ich nicht hingeguckt, sondern nur mitgehört habe und mich fragte, was zur Hölle "Gilette Mack Trois" sein soll - bis ich hinguckte, und merkte, dass der Rasierer auch bei denen "Mach 3" heißt - und halt französisch ausgesprochen wird.

 Apropos Nantes - da waren wir Freitag und Samstag zu den "Paroles d'Européens". Freitag hieß es also um 4.00 aufstehen, weil um 6.14 unser Zug vom Bahnhof nach Nantes ging, um püntklich um halb 9 in der Fac Médecine zu sein, wo die Eröffnungsveranstaltung stattfand. Das ganze war eine Veranstaltung, die Sarko im Rahmen der frz. EU-Ratspräsidentschaft in einigen großen frz. Städten organisiert hat. In Nantes waren Freitag und Samstag 500 Jugendliche aus allen 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie aus der Türkei, Russland, Weißrussland, dem Balkan etc. da, um in 4 Ateliers über die Zukunft Europas zu diskutieren. Pro Atelier (Die Themen waren "Renforcer les liens entre l’Europe et ses citoyens" -  Die Verbindungen zwischen Europa und seinen Bürgern stärken, "Bâtir une Europe innovante et solidaire" - Ein innovatives und solidarisches Europa errichten,  "Construire l’Europe du développement durable" - Ein Europa der nachhaltigen Entwicklung entwerfen, und "Positionner l’Europe dans le monde de demain" - Europa in der Welt von morgen positionnieren) gab es 6 Arbeitsgruppen à ca. 20 Jugendlichen, die sich zu den Themen Gedanken gemacht und jeweils 6 Vorschläge erarbeitet haben. Pro Gruppe wurde dann ein Sprecher gewählt, und alle Sprecher zusammen haben dann pro Atelier 6 Vorschläge ausgewählt. Diese standen dann Samstag Vormittag zur Abstimmung, bevor sie dann bei einer im frz. Parlaments-Fernsehsender live Übertragnen Debatte dem frz. Außenminister Jean-Pierre Jouyet sowie 2 Mitgliedern des zukünftigen Rats der Weisen (Felipe González und Vaira Vīķe-Freiberga), der über die Zukunft Europas nachdenk soll, vorgestellt werden. Das ganze Projekt ist dazu gedacht, der Jugend als "Zukunft Europas" die Gelegenheit zur Mitgestaltung zu geben und den beiden Mitgliedern des Rats der Weisen einige Denkanstöße mit auf den Weg zu geben.

Insgesamt war das ganze ne richtig gute Erfahrung. Die Organisation war super, ein Atelier war sehr gemischt (ich war im 1., vom Thema her) - 7 Franzosen, mit mir 3 Deutsche, eine Brasilianerin, die in Frankreich lebt, 1 Weißrussin, 1 Kroate, 1 Rumänin... Die Ateliers gingen von 10.30 bis 19.30, zwischendurch gab es einige Pausen sowie eine Stunde, in der ein "témoin" in die Ateliers kam - ein Mensch aus dem Berufsleben, in unserem Fall eine Frau, die in einem ThinkTank in Nantes arbeitet und sich dort viel mit Europa beschäftigt, um mit uns aus ihrem/seinem Blickwinkel die bisher erarbeiteten Vorschläge zu diskutieren.

Im Anschluss ging es dann in das (wunderschöne!!! Nantes ist sowieso ne unglaublich schöne Stadt) Musée des Beaux Arts, wo der Bürgermeister und González eine kleine Ansprache gehalten haben, bevor das riesige Buffett eröffnet wurde - da hat man sich mal wirklich richtig Mühe gegeben. Wer wollte, konnte sich dann auf eigene Faust das Museum noch anschauen. Für 21.30 war dann eine nächtliche Besichtigung des "Château des Ducs de Bretagne" geplant, an der wir leider nicht teilnehmen konntne, weil wir unsere Sachen erstmal in die Jugendherberge bringen mussten (abgesehen von 13 Euro für Hin- und Rückfahrt mit dem Zug hat uns das Ganze übrigens nichts gekostet). Im Anschluss konnte man dann noch ins "Lieu Unique", eine Art Bar, in der auch Kunst ausgestellt wird - wie der Name schon sagt also ein einzigartiger Ort. Dort hatten wir mit einem Gutschein noch ein Freigetränk und konnten den Abend ausklingen lassen, bevor wir dann gegen 1.00 total fertig ins Bett gefallen sind (immerhin waren wir 21 Stunden am Stück auf den Beinen und hatten ein nicht unanspruchsvolles Programm hinter uns).

Samstag vormittag gings dann um 7.30 wieder ausm Bett, um 8 fuhr ein Bus von der Jugendherberge zur Cité internationale de Congrès, wo uns nach einer Untersuchung mit Detektoren erstmal ein Frühstücksbuffet erwartete. Danach durften diejenigen, die freitags an den Ateliers teilgenommen hatten, in den Saal, wo man mit einer lustigen Fernbedienung zum Abstimmen ausgestatttet wurde. Während des Frühsücksbuffets hatten wir einen Zettel mit den 24 Vorschlägen bekommen, auf die sich die Sprecher der Ateliers am Vorabend geeinigt hatten. Nun durften wir pro Atelier 3 von 6 Themen abstimmen, die dann der Kommission währen der Live-Übertragung vorgestellt und zur Debatte angeboten wurden. Nach der Abstimmung wurde der Saal dann für die Öffentlichkeit geöffnet und füllte sich auch erstaunlich schnell.


Dann ging das große Theater los - Kameras überall... Jessi und ich haben natürlich  das große Glück gehabt, dass ein Kameramann die super Idee hatte, sich direkt im Gang neben uns niederzulassen, so dass wir dann total verpennt und fertig gestern mehrfach live im frz. Fernsehen zu sehen waren - auch wenns sicherlich nicht viele Leute gesehen haben. Die ganze Sendung steht nun aber auch im Internet. Nach 2 Stunden Liveübertragung ging's dann wieder raus zum abschließenden Mittagsbuffet.

Danach sind wir noch bis 18.00 in der Stadt geblieben und haben uns den "Jardin des Plantes" angeguckt, da gestern nochmal richtig geniales Wetter (ca. 27° tagsüber) hatten und das ausnutzen wollten. Gegen 20.00 sind wir dann total kaputt an der Uni angekommen und ich hab erstmal von 23.00 bis 10.30 durcheschlafen. Den Rest des Tages verbring ich nun noch mit Unikram (Dienstag droht die erste Klausur..) und dann gehts morgen in die vorletzte Uni-Woche vor den Allerheiligenferien.

Macht' gut und einen schönen Rest-Sonntag noch

12.10.08 16:50
 

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